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Zuckersand


  1. Ø 4.5
   2017
Zuckersand Poster
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Kritikerrezensionen

  • Kindheit im Sozialismus: Die melancholische Tragikomödie handelt von der tiefen Freundschaft zwischen zwei Zehnjährigen in der DDR.

    Es gibt ein richtiges Leben im falschen: wenn man Kind ist. Dirk Kummer erzählt mit „Zuckersand“ die Geschichte einer fast unbeschwerten Kindheit im Jahr 1979, irgendwo an der brandenburgischen Grenze zur Bundesrepublik. Fred und Jonas (Tilman Döbler, Valentin Wessely) sind zwei unzertrennliche Zehnjährige, die sich in ihrer Freundschaft nicht beirren lassen, auch nicht von Freds Vater (Christian Friedel); dem linientreuen Grenzbeamten ist Jonas‘ gläubige Mutter Olivia (Deborah Kaufmann) suspekt. Eines Tages erfährt Fred vom alten Nachbarn Kaczmareck (Hermann Beyer), dass man sich durch die Erde bis nach Australien graben kann. Also beginnen die Jungs, in einer leerstehenden Fabrik ein Loch zu buddeln. Die kindliche Idylle endet, als Olivias Ausreiseantrag bewilligt wird. Die Jungs vereinbaren, dass Jonas in Australien graben soll, damit sich die beiden schließlich in der Mitte treffen; aber dazu wird es nie kommen.

    Zwei Drittel lang ist „Zuckersand“ ein Film, der dank vieler komischer Momente auch im Familienprogramm laufen könnte. Kummer schildert die Ereignisse über weite Strecken konsequent aus Sicht der beiden Jungs und trifft mit seiner Mischung aus kindlichem Ernst und der Freude am Abenteuer tatsächlich jenen Tonfall, der auch Ron Howards Stephen-King-Verfilmung „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986) auszeichnet. Die Erwachsenen sind zunächst nur Nebenfiguren. Das ändert sich erst, als sich die Rahmenbedingungen wandeln: Eines Tages ist Jonas weg, und Fred, dessen läuferisches Talent entdeckt worden ist, kommt auf eine Kaderschmiede für die Olympiateilnehmer von morgen. Trotz der jungen Hauptfiguren werden solche Geschichten meist von einem Erwachsenen erzählt. Schon allein deshalb ist „Zuckersand“ ein ungewöhnlicher Stoff, der für ein junges Publikum ohne historisches Vorwissen über die DDR womöglich ohnehin zu komplex wäre. Zum reinen Drama wird die Geschichte, als nicht nur Jonas, sondern auch Fred vorübergehend aus der Handlung verschwindet und seine Eltern wie auch der sarkastische Kaczmareck ins Visier der Staatssicherheit geraten.

    Herausragend ist „Zuckersand“ nicht zuletzt wegen Kummers Arbeit mit den Schauspielern. Gerade die Jungs sind vorzüglich geführt und wirken nie, als ob sie spielten. Ähnlich bedeutsam für die Qualität dürfte der biografische Hintergrund sein: Der Regisseur ist selbst im brandenburgischen Landkreis Oberhavel aufgewachsen. Gerade die Dialoge von Fred sind ihm und Koautor Bert Koß prima gelungen, zumal sich auf diese Weise ganz unbefangen große Fragen stellen lassen. Für den Zauber der Kindheit steht unter anderem ein leuchtender Globus, der nachts durch Freds Zimmer schwebt. „Zuckersand“ ist auf dem Filmfest München mit dem Bernd Burgemeister Fernsehpreis ausgezeichnet worden. tpg.

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