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Der Hauptmann


  1. Ø 3.3
   2017

Der Hauptmann: Schwarz-Weiß-Kriegsfilm über einen Gefreiten, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in eine Offiziersuniform schlüpft und grausame Verbrechen begeht.

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Filmhandlung und Hintergrund

Der Hauptmann: Schwarz-Weiß-Kriegsfilm über einen Gefreiten, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in eine Offiziersuniform schlüpft und grausame Verbrechen begeht.

Kleider machen Leute — das erkennt auch der einfache Gefreite Willi Herold (Max Hubacher), als er in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zufällig eine Offiziersuniform findet. Eben noch als Deserteur gejagt, stellt Herold plötzlich etwas dar. Alles ist in Auflösung. Im Chaos der letzten Kriegstage ist der 19-jährige Herold die letzte Autorität, der es gelingt, eine Bande herumziehender Soldaten um sich zu scharen (Milan Peschel und Frederick Lau). Am 11. April 1945 kommen Herold und seine Schar zum Strafgefangenenlager Aschendorfermoor.

Auch hier gelingt es Herold, erfolgreich als Hauptmann aufzutreten — ausgestattet mit einer Vollmacht von ganz oben. Rücksichtslos übernimmt er das Kommando über das Lager und installiert ein Terrorregime. Herold geht völlig in seiner Rolle auf, richtet hemmungslos und lässt zahllose Häftlinge ermorden, auch er selbst tötet. In die Geschichte geht der Gefreite Willi Herold als „Henker vom Emsland“ ein. Vom Strafgefangenenlager zieht seine Schar bald weiter.

„Der Hauptmann“ — Hintergründe

Nach seinem erfolgreichen Abstecher in Hollywood kehrt Regisseur Robert Schwentke („Die Bestimmung – Allegiant“) mit einem wuchtigen, kompromisslosen Schwarz-Weiß-Film über den Wahnsinn der letzten Kriegstage nach Deutschland zurück. „Der Hauptmann“ ist ein eindringliches Psychogramm des realen Willi Herold sowie der verrohten Soldaten, die ihn begleiteten. In der Hauptrolle kann dabei Jungstar Max Hubacher („Nichts passiert“) reüssieren, begleitet von einem starken Cast aus Frederick Lau („Simpel“), Milan Peschel („Halt auf freier Strecke“) und Alexander Fehling („In Zeiten des abnehmenden Lichts“).

Die Geschichte um den Gefreiten Willi Herold basiert auf wahren Tatsachen. Herold wurde am 3. April 1945 von seiner Einheit getrennt und fand eine Offizierskiste mit einer Hauptmanns-Uniform. Herold gab sich als Offizier aus und übernahm am 11. April 1945 das Kommando über das Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Innerhalb von acht Tagen ließ er dort mehr als 100 Insassen ermorden. Nach einem Luftangriff auf das Lager zog Herold weiter nach Leer, wo er Scheinprozesse gegen angebliche Spione abhielt. Nach dem Ende des Krieges wurde Herold zum Tode verurteilt und am 14. November 1946 in Wolfenbüttel hingerichtet.

„Der Hauptmann“ — Auszeichnungen

Seit der Weltpremiere auf dem Toronto International Film Festival konnte „Der Hauptmann“ sein Publikum begeistern. Ausgezeichnet wurde der Film unter anderem für seine herausragende Kameraarbeit. Auch beim Deutschen Filmpreis 2018 ist der Kriegsfilm in mehreren Kategorien nominiert. „Der Hauptmann“ geht in fünf Wettbewerben ins Rennen um den Preis für den Besten Film, den Besten Schnitt, die Beste Filmmusik, Beste Tongestaltung sowie um die Beste männliche Nebenrolle.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Es sind die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Gefreite Willi Herold - abgehetzt, halb verhungert und kurz vor dem Erfrierungstod - findet nahe einer Waldlichtung einen verlassenen Wagen. Darin liegt die Uniform eines Offiziers, die Herold entwendet. Als er in seiner Aufmachung einem weiteren Gefreiten begegnet, der seine Einheit verloren hat, bittet dieser, sich dem "Hauptmann" anschließen zu dürfen. Viele andere folgen. Am 11. April 1945 betreten Herold und seine Gefolgsleute das Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Mit der Behauptung, der Führer hätte ihm persönlich die Verantwortung übergeben, übernimmt Herold die Führung über das Lager und beginnt, die Gefangenen auf brutale Art zu töten. Keiner der Führungsleute der Gestapo verhindert seine Gewaltherrschaft. Als ein Bombenangriff der britischen Truppen das Lager zerstört, ziehen Herold und seine "Kampftruppe" weiter. Denn der Krieg ist noch nicht aus. Und Herold will die Macht, die ihm die Uniform verleiht, nicht wieder hergeben. Robert Schwentke erzählt mit DER HAUPTMANN die wahre Geschichte des 19-jährigen Gefreiten Willi Herold, der als "Henker vom Emsland" bekannt wurde. Der Film beginnt dramaturgisch geschickt mit der Flucht Herolds vor den eigenen Leuten, die ihn vor sich herjagen. So baut Schwentke für den Zuschauer eine Verbindung zu Herold, den man zuallererst als Opfer und nicht als das Monster, als das er sich herausstellt, kennenlernt. Dem Hauptdarsteller Max Hubacher gelingt auf phänomenale Weise der Balanceakt zwischen der fast jugendlichen Unschuld des Soldaten und der grausamen Härte und Kälte eines Mannes, den der Rausch der Macht zum Massenmörder werden lässt. Auch der Rest des Ensembles leistet in Ausdruck und Spiel Unglaubliches. Frederick Lau als blutberauschter Soldat, der es nicht abwarten kann, mit aller Härte gegen alles vorzugehen, was schwächer ist als er selbst; Wolfram Koch und Samuel Finzi als inhaftierte Schauspieler, die an einem Abend eine Vorführung geben und sprichwörtlich um ihr Leben spielen müssen; oder Milan Peschel als Gefreiter Freytag, der sich in blinder Treue Herold anschließt und der nach und nach nicht nur spürt, welchem Monster er folgt, sondern zu welchen Monstern sie allesamt geworden sind. Schwentke setzt die Figuren in immer wieder neuen szenischen Anordnungen zueinander in Bezug, erzählt mit großer inszenatorischer Ruhe, dazu liefert Florian Ballhaus eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die geschickt mit Nähe und Distanz zu den unfassbaren Grausamkeiten spielen, wozu auch das klug durchdachte Soundkonzept dient. Am Ende des Films steht ein eindrucksvoller Brückenschlag in die Gegenwart und damit auch zu zentralen Fragen an den Zuschauer wie etwa: Wie hätte man selbst gehandelt? Und wie weit ist Heute noch von Damals entfernt? Die deutsch-französisch-polnische Koproduktion DER HAUPTMANN ist ein klug reflektierender und brillant gespielter Kriegsfilm, der über seine Geschichte hinaus wichtige Fragen stellt und damit auch als Mahnung an das Heute gelten kann.

    Jurybegründung:

    Robert Schwentkes Spielfilm DER HAUPTMANN basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich in Norddeutschland in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges zugetragen hat. Die Geschichte ist eine tragische Variante des "Hauptmanns von Köpenick". Auch hier findet ein Mann die Uniform eines Offiziers und schlüpft mit der Kleidung in die Rolle des hochrangigen Soldaten. Seine Mitmenschen glauben ihm und folgen seinen Befehlen. In den chaotischen Tagen des Zusammenbruchs des Dritten Reiches begeht er mit der Hilfe eines zusammengewürfelten Haufens von versprengten Soldaten Gräueltaten an vermeintlichen Deserteuren, Plünderern, Verrätern und den Insassen eines Gefangenenlagers. Indem Schwentke weitgehend aus der Perspektive der Titelfigur erzählt und die ersten Sequenzen auch so inszeniert hat, dass dem Zuschauer kaum etwas anderes übrig bleibt, als sich mit ihm zu identifizieren, ist es unmöglich, ihn als den bestialischen Fremden zu sehen. Am Anfang ist er auf der Flucht, wird durch einen Wald gehetzt, versteckt sich und versucht alles, um zu überleben. Und Max Hubacher hat in dieser Rolle nichts Dämonisches an sich. Es ist verstörend, so graduell seine Veränderung sozusagen "von innen" mitzuerleben. Später wird dann sein erster von Milan Peschel gespielter "Untergebener" eine Art moralische Instanz, in dessen Augen sich der Schrecken über das Geschehen spiegelt. Bemerkenswert ist auch, dass "Hauptmann" in den Augen der Jury nicht zwingend überzeugend in seiner Verkleidung ist. Er legitimiert sich im Grunde durch seine Grausamkeit. Im Chaos bleibt er die einzige Autorität und so begehen die Soldaten auf seinen Befehl hin brutalste Massenhinrichtungen, willkürliche Tötungen und sadistische Gewaltakte. Schwentke erzählt dies mit einer bemerkenswerten künstlerischen Radikalität in Schwarzweißbildern. Besonders gelungen ist ihm die Darstellung eines Casinoabends, der schließlich in einer Gewaltorgie endet, und bei dem zwei Gefangene des Lagers als Schauspieler die Truppen mit obszönen, antijüdischen Sketchen und Liedern unterhalten. Die beiden werden von Samuel Finzi und Wolfram Koch erschütternd intensiv verkörpert: Schwentke macht in diesen Sequenzen beeindruckend deutlich, wie ihnen bewusst ist, dass sie spielen müssen, um am Leben zu bleiben. Wirkungsvoll sind auch einige Verfremdungseffekte, mit denen Schwentke deutlich macht, dass es eine Verbindung zwischen dem Gezeigten und der Gegenwart gibt. Nur hier wird sein Film farbig. In der Mitte des Films zeigt er in einer Totalen einen einfachen Acker, der genau an der Stelle liegt, wo damals das Lager stand. Und während die Schlusstitel über die Leinwand rollen, zeigt er Sequenzen, in denen die Schauspieler in den Kostümen und in den Rollen des Hauptmanns und seiner Soldateska im Jeep durch eine heutige deutsche Stadt fahren und dort Passanten kontrollieren und bedrängen. Nicht die Menschen, sondern die Umstände waren damals anders - dies macht er hier sehr effektiv mit filmischen Mitteln deutlich. Und weil DER HAUPTMANN auf allen Ebenen (Drehbuch, Regie, Kamera, Schauspiel, Ausstattung, Schnitt, Musik) künstlerisch konsequent und souverän umgesetzt wurde, wird er mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Kompromissloser, in Schwarzweiß erzählter Kriegsfilm über den Gefreiten Willi Herold, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einer Offiziersuniform unaussprechliche Kriegsverbrechen begeht.

    Eine Köpenickiade hat Robert Schwentke gedreht bei seiner Heimkehr nach Deutschland, nach 13 Jahren, in denen er als erfolgreicher Mainstream-Regisseur in Hollywood gearbeitet hat. Wie die Geschichte des Schusters Wilhelm Voigt, der von Carl Zuckmayer als „Hauptmann von Köpenick“ in einem Theaterstück verewigt wurde, das Helmut Käutner 1956 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle verfilmte, ist auch das, was „Der Hauptmann“ erzählt, tatsächlich geschehen: Aber war „Der Hauptmann von Köpenick“ ein Schelmenstück, der verschmitzt von einem Akt zivilen Ungehorsams und Behördenwahnsinn erzählte, geht es bei Schwentkes in beklemmendem Schwarzweiß gedrehten Film um Abgründe und Entmenschlichung, um das Ende der Menschlichkeit selbst, um Kadavergehorsam, ein deutsches „Salo“ über den Faschisten, der in allen Menschen schlummert: Wehe, wenn er geweckt wird. Wie Schuster Voigt findet auch der Gefreite Willi Herold eine Hauptmannsuniform.

    Allerdings befinden wir uns in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Deutschland ist ein Trümmerfeld, jegliche Form von Ordnung und Zivilisation scheint aufgehoben. Herold ist desertiert, irrt frierend und hungrig durch die eisigen Landschaften, kann nur mit Mühe deutschen Soldaten entkommen, die Jagd auf ihn machen. Die Uniform verändert ihn auf einen Schlag. Mann um Mann schart Herold andere Soldaten um sich, fast alle ebenfalls desertiert, alle gezeichnet vom Schrecken des Krieges, manche buchstäblich zu jeder Schandtat bereit. Auf wundersame Weise fliegt Herold nicht auf: Mit seiner Truppe hält er Einzug in das Lager II der Emslandslager. Seine Behauptung, der Führer höchstpersönlich habe ihm unbeschränkte Vollmachten verliehen, öffnet ihm Tür und Tor zu tun und zu lassen, was ihm gefällt. Herold und seine entmenschte Rotte richten ein Massaker an, keine Untat ist grausam genug.

    Es wäre nicht zu ertragen, was man auf der Leinwand sieht, wäre Schwentke nicht so ein guter und kluger Filmemacher, der genau weiß, was man zeigen darf und was nicht. An Pasolini muss man denken, an „Salon Kitty“ und „Steiner“, an „Son of Saul“ und „The Clown Who Cried“. „Der Hauptmann“ ist nicht einfach die Fallstudie des Mannes, der als „Henker vom Emsland“ zu trauriger Berühmtheit kam: Weil Max Hubacher diesen Willi Herold so emotionslos spielt, wie eine Chiffre, ein hübscher Kerl mit leeren Augen und ohne wirklichen Plan, was er da eigentlich macht, als sei er selbst überrascht, wie weit man ihn gehen lässt, kann sich der mit Namen wie Frederick Lau, Alexander Fehling oder Samuel Finzi bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig besetzte Film steigern in eine Art von Raserei, zu einer abstoßenden Travestie, die nicht einfach nur Lebensdaten eines Monstrums abhakt, sondern sich verdichtet zu einer quälenden Betrachtung der Maßlosigkeit männlicher Wut, eine Abrechnung mit Machtmissbrauch und der unstillbaren Lust auf Zerstörung. Doch obwohl Schwentke den Hammer so kompromisslos niedersausen lässt, steckt „Der Hauptmann“ voller absurder Ironien, die den Film zur Groteske macht. Er verweist in seinen burleskesten Momenten auf „Cabaret“ wie auch Hieronymus Bosch, ist eine bitterböse und endlos traurige surreale Komödie, die deutsche Antwort auf Richard LestersThe Bed Sitting Room„. ts.

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